IT 3.0 – Wenn Grenzen aufgehoben werden

Beim durchlesen des kürzlich erschienen “IT 3.0 ManifestoFinally IT for the people von ServiceNow”, habe ich mir die Frage gestellt, was eigentlich IT 3.0 genau ist und warum hat niemand von IT 2.0 oder IT 1.0 gesprochen?

IT-cloud
Was Für Veränderungen kommen da auf die IT und insbesondere auf den Service Bereich zu?

In dem IT 3.0 Manifesto stösst man immer wieder auf ein Schlüsselwort: Begrenzung und das Wegfallen derselbigen.  Mit welchen Begrenzungen mussten noch bis vor kurzen die IT Benutzer leben?

  • Begrenzung der Benutzerfreundlichkeit-> Anpassung an das Arbeitsumfeld (customization):
  • Begrenzung durch Physikalische Eigenschaften der Geräte – Gewicht (mobile working)
  • Begrenzung durch die Leistungsfähigkeit (cloud services)

Im private genutzten Umfeld erlebt man als Benutzer eine komplette andere Art von IT als im Geschäftlichen Umfeld. Stellen Sie sich doch einmal die Erfolgsaussichten von Google, ITunes, Amazon oder Ebay vor, wenn

  • jeder Nutzer erstmal eine Schulung besuchen und Handbücher lesen muss
  • die Software nur auf seinem Desktop im Homeoffice benutzen kann
  • oder bei jedem Releasewechsel vom Kunden erst alles neu installiert und getestet werden muss.

Wenn Sie schon einmal in einem IT Implementierungsprojekt mitgearbeitet haben ist Ihnen sicherlich schon die Trilogie „People, Process and Technology“ begegnet. In gut geplanten Projekten wird diesen drei Bereichen ausreichend Aufmerksamkeit gewidmet. Denn diese Bereiche sind sehr stark miteinander verknüpft und im professionellen Risikomanagement ist es ein fester Bestandteil . Im  IT 3.0 Manifesto wird die Aussage getroffen, dass die Grenzen zwischen diesen drei Bereichen nun mit IT 3.0 aufgehoben sind. Lassen Sie uns doch einmal die Auswirkungen auf diese drei Bereiche anhand der Veränderung durchspielen:

Customization

People – Immer kleinerer Gruppen von Usern erhalten eine auf die Bedürfnisse genau abgestimmte Software. Diese kann ohne oder mit minimalem Schulungsaufwand für die geschäftlichen Aufgaben verwendet werden, das Benutzerinterface selbsterklärend ist. Das was passt und einfach zu verstehen ist wird auch gerne verwendet.

Process – Auch die Prozesse werden auf immer kleinere Gruppen von Benutzern abgestimmt. So dass kein überflüssige Aktivität gemacht wird, nur noch das was Sinn und Wert generiert. Prozessanpassungen können einfach vollzogen und damit auch temporär ausgeführt  (situationsbedingt) werden.

Technology – Durch die Möglichkeiten von Web2.0  und Internet-Geschwindigkeit entstanden hier in den letzten Jahren fantastische Möglichkeiten für benutzerfreundliche  browser-basierten Anwendungen. Wobei hier der Fokus auf die IT – Architektur inklusiv Sicherheit gerichtet werden muss.

Mobile working

People – Zu Zeiten von Mainframe und Desktop konnten gewisse Aufgaben nur im Büro erledigt werden. Selbst bei dem Gewicht der „Schlepptops“ hörte der Spass am mobilen Arbeiten schnell auf. Doch inzwischen gilt auch hier, im privat genutzten Umfeld werden meist alle Anwendungen (z.Bsp. Gmails, Google docs) schon mobil auf diversen Endgeräten (smartphones, ipad, tablets, laptops, desktops) genutzt.

Process – Durch das Erfassen von Daten in fast jeder Situation und überall müssen bestehende Prozesse überarbeitet werden. Es entstehen aber auch eine Reihe von neuen Prozessen, da sich das Anwendungsgebiet der IT erweitert. Damit können auch Entscheidungen aufgrund verfügbarer Informationen in Situationen getroffen werden, was besonders einen starken Einfluss auf Service Lösungen und Konzepte hat.

Technology – Alle Informationen überall zur Verfügung bedeutet , dass sämtliche Daten überall erfasst werden müssen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Menge der zu speichernden / aufzufinden Daten, offline Zwischenspeicher und Synchronisierung und die einfache Integration bzw. das Vermeiden von Medienunterbrüchen.

Cloud Services

Cloud Service im Zusammenhang mit WEB 2.0 Technology (voll Browser basiert)  entwickelten Applikationen werden die Erwartungshaltung der End-Benutzer dramatisch verändern.

People – Vor noch nicht allzu langer Zeit galt, wenn ich zuhause die neue Version von Microsoft Windows (meist mit Office) installiert hatte, musste ich auch einige Monate danach auf die Suche nach einem leistungsfähigerem Desktop / Laptop gehen. Dabei wollte ich doch nur kompatible mit dem Marktgeschehen bleiben. Bei den nun angebotenen Cloud basierte Services muss ich mir über die Leistungsfähigkeit meines Rechners keine Gedanken mehr machen. Höchstens über meine angemietete Internet-Bandbreite und je nach Daten auch über das Thema Sicherheit. Dabei kann ich normalerweise aus einer Reihe von Services mir das passende Angebot zusammenstellen.  Immer wieder Restart, Wartezeiten und sonstiger Ärger bezüglicher des Zusammenspiels der Installierten Software (z.Bsp. Upgrade, neue Versionen) treten nicht mehr auf.  Die Erwartungshaltung und Anforderungen der End-Anwender wird sich stark in Richtung Service orientiertem Denken verändern.  Sie wollen einfach nur die aktuellste Version einer Anwendung jederzeit und überall benutzen ohne sich selber mit technischen  Begrenzungen, Tipps und Tricks aufzuhalten.

Process – auf diesen Bereich wird weiterhin ein großer Teil der Denk-Kapazität von IT-Abteilungen sich richten. Seit Mitte der 90er Jahre Stand im Mittelpunkt der meisten Projekte das Business Reengineering mit dem zentralen Fokus auf Prozessoptimierung und Integration (ERP Systeme und Middleware). In einer SOA – Service orientierten Architektur – wird für das Prozessergebnis der entsprechende Service zur Verfügung gestellt. Die Organisation muss sich über Spitzenbelastungen oder Batchverarbeitung keine Gedanken mehr machen (idealerweise).   Die bestehenden Standards  ermöglichen heute schon eine ausreichende Integration der Daten und Anbindung verschiedener Applikationen, ob in-house oder von Service Anbietern.. Dabei gibt es auch hier im privaten Umfeld schon sehr interessante Entwicklungen bezüglich der Integration von Web-Applikationen (z.Bsp. http://ifttt.com/ oder evernote)

Technology – Infrastruktur und Applikationen  werden als Service gemietet und vom Anbieter gemäss Service Level Vereinbarung erfüllt. Damit verschiebt sich die Aufgabe der klassischen IT von „alles Wissen und verantwortlich sein“ zum Informatiker als Vermittler von den optimalen Services

  • die kostenoptimale Services auswählen (End-Anwender dabei beraten)
  • Service Anforderungen und Erfüllung aushandeln (inkl. wasserdichte Verträge)
  •  und Verantwortlichkeit für die Überwachung übernehmen.

Fazit: Es wird also einiges an Veränderung auf die IT Abteilungen in den nächsten Jahren noch zukommen. Durch den Fokus auf Services wird die klassische Trennung von IT und Geschäftsbereich sowie von People-Process-Technology verschwinden. Nur eine ganzheitliche Betrachtung die den Wert der Services für die Geschäftsbereiche in den Mittelpunkt stellt wird zielführend sein.

“IT 3.0 bezeichnet eine neue Epoche”

Brian Lillie, Equinix CIO

 

 

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Stève is Marketing & Communications Manager, Europe at Fruition Partners (ex-Aspediens). Described as customer (and pixel) obsessed by his colleagues, he uses his experience in both traditional and digital marketing to polish all things related to Marketing at Fruition Partners Europe. His main motto is “Learn something new every day, in any field”, a mindset that made him embrace and enjoy the ServiceNow and Service Management world since he joined the company.
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